Wetten ohne Risiko

… so was gibts nur in der “freien Markwirtschaft”, die unsere Banken und Wirtschaftsmächtigen so hochhalten! Ja, die geliebte freie Marktwirtschaft, solange alles schön bergauf geht, toll! Nur, was wenns mal nicht mehr so gut läuft. Wie z.B. Aktuell bzw. in den letzten zwei Jahren. Die Gewinne brechen weg, platzende Immobilien und Konsumflaute fressen den letzten Rest des schon lange ausgedünnten und mit riesigen Hebeln weit überspannten Eigenkapital der Banken und Unternehmen auf. Dank den Millionen Euro mit denen die Lobbyisten die Politiker überzeugt haben, Richtlinien und Gesetze zu Kontrollen, Bilanzierungen und Finanzierungen immer stärker aufzuweichen.

Es hat nicht funktioniert! Das ist aus meiner Sicht unbestritten. Zu Viele wollten das große Rad drehen, zu wenig, die die riesigen Renditeerwartungen erwirtschaften. In den westlichen Ländern wachsen die Arbeitslosenzahlen und in den Entwicklung- und Schwellenländern arbeitet der Großteil der Bevölkerung schon an der maximalen Ausbeutungsgrenze, bevor ich ich persönlich ernsthaft von Konzentrationslagern der westlichen Industrienationen sprechen möchte, in gesetzlosen Freihandelszonen. Anstatt “Arbeit macht frei” steht dort eben lediglich “Arbeit bringt euch Wohlstand” oben an den Toren und spielt mit den aussichtslosen Träumen der Wanderarbeiter. Die Ausbeutung der Umwelt bringt auch nicht mehr die Renditen die mal waren, Peak Oil ist überschritten, Rohstoffe gehen zu neige, in der Tier und Pflanzenwelt gibts eh nicht mehr viel zu holen.

Was also tun, um Wachstum vorzutäuschen und damit für das Kapital für die notwendigen Renditen zu erwirtschaften. Richtig, jemand muss sich verschulden. Am Ende muss so was in einem riesigen Ponzi-Schema enden, und ich bin überzeugt, dass wir uns gerade am Anfang dessen Ende befinden. Jemand verschuldet sich mit Geld, dass ohne Gegenwert erschaffen wurde. Eine riesige Blase!

Kommen wir aber wieder zurück zu dem Punkt, wie die Renditen aufrecht erhalten werden können, obwohl wir uns in einer der größten Krisen befinden. Boni, Dividenden, Zinsen werden ausgeschüttet wie nie zuvor, obwohl wir uns in einer der größten Krisen der Nachkriegsgeschichte befinden. Wie geht das? Ganz einfach, “erwirtschaftet” werden diese Gewinne mit billigem Geld, zum einen von den Zentralbanken, die Geld praktisch zum Nulltarif an die Banken verleihen verschenken und damit einen riesige Geldmenge schaffen, die durch keine reale Wertschöpfung gedeckt ist. Denn, investiert wird kaum noch, das Geld fließt einzig in Spekulationsgeschäfte. Und das Geld stammt von Staaten, die die Banken mit Milliardenkrediten und Bürgschaften retten, damit die Banken noch etwas weiter wurschteln können. Konsequenzen sieht man kaum. Staaten und damit die Bürger verschulden sich damit das Kapital weiter am großen Ponzi-Schema mitmachen kann.

Wie das genau funktioniert sehen wir gerade in Griechenland. Der Staat steht kurz vor der Pleite. Die Zinsen auf die Staatsanleihen sind auf Rekordhöhe! Was machen die Banken? Sie leihen sich Geld von der EU-Zentralbank beinahe zum Nulltarif, 1%, und kaufen damit griechische Staatsanleihen, durch die Sie Zinsen um die 7% erhalten. Das ist durchaus legitim, ohne Arbeit und Wertschöpfung mal eben die Differenz von 6,5 eingestrichen. Klar, dass jemand dafür bezahlen muss und zwar der griechische Beamte der wohl bald komplett auf sein Gehalt verzichten wird müssen. Die 7% beinhalten natürlich das Risiko, dass Griechenland Pleite gehen könnte und die Banken die Staatsanleihen und ihr damit verliehenes Geld in den Wind schreiben müssen. Die 7% sind quasi der Risikozuschlag, dass Griechenland überhaupt noch Geld von den Banken leihen kann. Nun führt diese attraktive Differenz dazu, dass die Anleihen wegegehen wie warme Semmeln, obwohl das Risiko einer Pleite sehr hoch ist. Die Banken sind mit mehr und mehr Milliarden involviert. Geht also Griechenland Pleite, führt das zwangsläufig dazu, dass einige unserer Banken wieder in enorme Probleme schlittern. So kommt es, dass die EU am Ende Griechenland retten wird müssen, um den zweiten Finanzcrash zu vermeiden. Von einer Kettenreaktion mit Spanien, Italien, Irland, Portugal ganz zu schweigen. Führt wiederum dazu, dass sich die Banken ohne Risiko an hohen Zinsen erfreuen dürfen und wissen, es wird nichts passieren, der Steuerzahler wird am Ende für sie bürgen!

Willkommen in der neuen “freien” Marktwirtschaft!  Und die Politik machen fröhlich mit. Schulden werden verstaatlicht, Gewinne werden zum Vorteil weniger privatisiert und man versucht uns immer noch weiß zu machen, dass wir alle nur so überleben können!  Mal ehrlich, wer glaubt den Scheiß denn noch?

Am Ende noch ein kurzer Hinweis auf Griechenland, während das Land ins Chaos schlittert, wurden erst gestern die griechischen Banken mit 17 Milliarden vom griechischen Staat “gerettet”, da es in Griechenland gerade einen Bankrun gibt. Na wenn das nicht mal ein Ponzi ist? Dann weiß ich auch nicht.

Update (11.4.2010)
Jetzt steht es fest, wir, die EU, zahlen bis zu 30 Mrd Euro um Griechenland zu stützen. Belohung für die Spekulanten, die mit praktisch null Risiko Griechenland in den letzten Wochen noch ganz ausbluten ließen. Wo gibts den sowas?

(Quelle Teaserbild – Wikipedia, Urheber: Eric Chan)
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