Was macht eigentlich dein Geld in Griechenland?

… es arbeitet! Und wie!

Die EU soll ja eine Solidargemeinschaft sein. Alle für Einen, Einer für Alle! Was den drei Musketieren schon als Leitsatz diente, kann der EU nur Recht und billig sein. Zwar hieß es vor einigen Jahren noch: “Jaaaa, aber für Schulden eines anderen Landes, daaaaa müsse keiner und so!” Das Ganze wurde sogar vertraglich festgehalten. Doch Verträge sind zum brechen da und so wurde man schnell hellhörig, als Griechenland vor einigen Monaten die Pleite drohte. Plötzlich merkte man … hoppla … die Schulden, die die bisher gemacht haben, haben die Griechen bei uns gemacht. Vor allem bei unseren Banken und unserer Rüstungsindustrie. Dazu muss man wissen, dass Griechenland im letzten Jahr der fünft größte Rüstungsimporteuer der Welt war (gemessen am BIP Anteil). Wir haben den Griechen jahrelang die Kreditlinien gestreckt wie der Dealer dem Junkie sein Koks und unsere Rüstungsindustrie hat auf Pump geliefert wie Baulöwe Schneider. Hauptsache der Rubel rollt! Oder halt auch nicht. In dem Fall schon bald nicht mehr.

Und wie haben sie geschriehen! Ah… unsere Arbeitsplätze sind in Gefahr, unsere Banken sind in Gefahr, der Euro wird zum billigen Rubel! Wir müssen helfen. Aber bitte nicht mit einem Schuldenhaircut (was ja das normale Verfahren bei einer Insolvenz wäre), auch nicht mit der Stornierung  noch offener Waffengeschäfte im Wert von über 6 Mrd Euro, nein! Der europäische Steuerzahler steht solidarisch seinen Mann in Zeiten des zügellosen Kapitalismus und Neoliberalismus auf den Märkten. Gewinne werden neoliberal like abgesahnt, wer viel “leistet” (also fleisig Geld von einem Konto auf ein anderes bucht) bekommt hohe Boni und Dividenden. Schulden werden solidarisiert  mit dem Rest. Hach, der Kommunismus hat halt auch Vorteile. Aber bitte nur Vorteile! Tja, Leistung muss sich wieder lohnen! Eigentlich ganz im Trend unserer Zeit! Jeder mixt einfach das was im gefällt. Ob in der Religion, bei der Kleidung, beim Sex, der Eintopf aus Allerlei hat Hochkunjunktur! Warum also auch nicht mal mit unseren wirtschaftlichen und politischen Systemen experimentieren? Hat doch sowieso keiner eine Ahung. Experten und Politiker fliegen im Blindflug durch Europa, mit ein paar Bankstern als Piloten im Cockpit. Da wird aus Neoliberalismus und Kommunismus halt ganz schnell mal ein neoliberalkommunistisches Mash-Up einiger mächtiger Menschen oder so ähnlich.

Zurück zu Griechenland. Ich hatte dazu ja schon eine Menge geschrieben, deshalb will ich nicht mehr auf die ganzen Details eingehen. Heute habe ich wieder mal etwas zum Thema gelesen. Wie schon angemerkt, sollte man ja denken, dass ein Staat, kurz vor der Pleite, erstmal die Rüstungsausgaben auf null zusammenstreicht, bevor er bei Lehren und Beamten die Bezüge bis zum Existenzminimum kürzt. In Griechenland scheint man das aber nicht so genau zu nehmen.

Das hochverschuldete Griechenland hat für 2010 sechs Milliarden Euro für Rüstung eingeplant, das sind 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Militärausgaben lagen in den vergangenen Jahren sogar bei mehr als vier Prozent des BIPs.

Grüß Gott Herr Minister! Mit unseren hart erarbeiteten Steuergeld werden nach wie vor fleißig Panzer bei Kraus&Maffei bestellt und Westerwelle lässt es sich bei keinem Griechenlandbesuch nehmen, darauf hinzuweisen, dass sie noch Eurofighter und -copter abzunehmen hätten! Schließlich sind wir ja eine Solidärgemeinschaft nicht nur im Geiste, sonderen auch bei den Rüstungsprojekten!

Man kann nur den Kopf schütteln. Als Grieche hätte ich die Regierung schon längst abgesetzt und den Präsidentenpalast abgefackelt. Das klingt jetzt hart. Aber eine Regierung die sich mehr den militärischen Verpflichtungen unterworfen sieht als dem eigenen Volke, hat keine andere Behandlung verdient! In einer Demokratie haben die Bürger auch Pflichten!

Einer der Wenigen aus der EU, der Klartext redet, ist der slowakische Finanzminister Ivan Mikloš:

“Wenn es um die Solidarität von Armen mit Reichen, Verantwortungsvollen mit Verantwortungslosen oder Steuerzahlern mit Bankeigentümern und Bankmanagern geht, dann sehe ich das nicht als Solidarität.”

Respekt, mein lieber Herr Minister! Endlich mal einer der sein Maul aufreißt und nicht nur bei den eidgenössischen Josefs dieser Welt bank blank zieht! Die Slowakei mustert sich zu einem EU-Musterschüler mit Moral. Doch natürlich kommen gleich wieder die Lümmel von der letzten Bank und meinen:

Zuvor hatte EU-Währungskommissar Oli Rehn die Haltung der Slowakei als Verstoß gegen die Solidarität in der Eurogruppe kritisiert.

Jo, is klar. Tacheles will in diesen Zeiten keiner hören. Für was arbeitet unser Geld also in Griechenland? Die Antwort gibts auch im Artikel:

Und obwohl damals die Krise schon absehbar war, kaufte Athen noch sechs Fregatten für 2,5 Milliarden Euro, Helikopter für 400 Millionen Euro, Kampfflugzeuge und sechs U-Boote im Wert von einer Milliarde Euro. [...] In dem 110-Milliarden-Paket des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Griechenland gibt es zudem keine Auflagen zur Abrüstung.

Wie? Keine Auflagen zur Abrüstung? 1! Klingt für mich irgendwie gewollt. Und ich sehe hier nicht nur die Griechen in der Schuld, schließlich haben wir geliefert und Kredite gegeben, obwohl alle wußten was da los ist. Ich will sogar soweit gehen, dass europäische Politiker aus Ländern mit einer starken Rüstungsindustrie (Frankreich, Deutschland, UK) sogar heftigen Druck auf Griechenland ausgeübt haben. Expliziet seinen hier die Franzosen erwähnt und auch Herr Westerwelle, der erst kürzlich wieder die Griechen auf Abnahme von Eurofighter gedrängt hat. Weiter so Europa! Solidarisch stehen wir zusammen für Banken, Rüstung und Überwachung!

Quelle: http://derstandard.at/1280984586801/Athen-ruestet-trotz-hoher-Schulden-weiter-auf

Quelle Teaserbild: Wikipedia, Urheber Onkel Tuca unter CC 3.0 Namensnennung

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