Radiohead vs. Music Industry
Experimentiert hat Radiohead schon immer. Das neuste Experiment wird Geschichte schreiben. Die Band, die bei keinem Label unter Vertrag ist, hat eine neue Platte rausgebracht. Das besondere, der Musikliebhaber kann den Preis selber bestimmen. Die CD gibt es komplett zum Download auf der Radiohead Website. Der User entscheidet ob er die Musik kostenlos herunterladen möchte, oder einen selbstbestimmten Preis bezahlen will. Der Konsument entscheidet, was ihm die Musim wert ist. Das Experiment scheint ein Erfolg gewesen zu sein, aus marketingtechnischer Sicht mit Sicherheit. Innerhalb weniger Tage sollen angeblich 1,2 Mio mal wurde die Platte bisher verkauft, bzw. heruntergeladen. Laut einer Umfrage haben zwei drittel für die Platte gezahlt, im Schnitt ca. 5-6 Euro. Also auch ein finanzieller Erfolg für Radiohead.
Ein Schlag ins Genick für die Musikindustrie. Ist diese gerade dabei einen großteil ihrer Kunden zu kriminialisieren und ihre DRM verseuchte Musik an den Mann zu bringen. Rigeros überzieht sie vor allem jugendliche Internetnutzer mit Abmahnwellen wegen illegalen Musikdownlads. Hat sie es doch immernoch nicht hinbekommen, ein attraktives und finanziell interessantes Vertriebsmodell im Internet zu entwickeln.
Wie das geht zeigt jetzt Radiohead. Vor allem zeigt es, das die Konsumenten durchaus bereit sind, für gute Musik zu zahlen. Alle anderen, die das Album von Radiohead kostenlos heruntergeladen haben, hätten es sich vermutlich auch im Laden nie gekauft. Was auch wiederrum die These bestätigt, dass die Musikindustrie durch Filesharing keinen so hohen Schaden erleidet, als sie uns weiß machen will. Den Umsatzrückgang hat sie sich selber zuzuschreiben, durch das Dosenfutter, dass sie uns jeden Tag von Popstars bis The Dome 244383 vorsetzen will. Vor allem aber hat sie in den letzten Jahren Qualität mit Quantität verwechselt.


Oktober 14th, 2007 at 21:13
und wo is der link?
Oktober 14th, 2007 at 21:22
oh natürlich, gerade eingefügt. Danke.
Oktober 14th, 2007 at 21:44
gracias!
Oktober 15th, 2007 at 22:46
Ist ja alles schön und gut, aber laut diverser Theorien bestimmt ja der Preis den Wert einer Ware. Bis dato liegt der Durchschnittpreis für das Album bei 5,53 Euro glaube ich. 5,50 Euro, eine Currywurst und ein Bier sind das! Das Konzept mag aufgehen vielleicht, aber trotzdem insgesamt wird da Kunst und Kreativität unter Wert verkauft.
Oktober 15th, 2007 at 23:38
Wenn ich mir eine CD im Laden hole, schätze ich mal, dass der Künstler an der CD vieleicht höchstens 10% verdient. Bei einem Preis von 15 Euro wären das ca. 1,50 (ne Flasche Bier bei der Currybudde). Der Rest wird irgendwo zwischen Plattenfirma und Handel “verbrannt”. Damit dürfte der Künstler evtl. mit 5,50 fast besser da stehen.
OK, er hat trägt die Kosten für Aufnahmen, Mischen, Mastern usw. selbst, dafür fallen beim Onlinevertrieb fast die kompletten Verwaltungs, Vertriebs bzw. Handelskosten weg, ebenso wie reine CD-Produktionskosten. Für alle die auf Qualität wert legen und die Scheibe im Schrank haben wollen, gibts die Discbox zum Festpreis, über den der Künstler selbige Kosten ebenfalls wieder einspielt.
Aus künstlerischer Sicht würd ich sagen, top. Komplette Freiheit in dem was man tut, weniger Druck, man erreicht eine grössere Zielgruppe und verdient vieleicht (aus meiner Sicht) sogar noch mehr als bei einer Plattenfirma.
Sicher ist es ein Experiment, was sich auch bestimmt nicht beliebig übertragen lässt. Aber es ist aus meiner Sicht ein richtiger Schritt, in einem Vertriebskanal, in dem Musik nicht mehr die Wertschätzung erfährt, die sie vieleicht verdient hat (woran die Musikindustrie auch selbst schuld ist), sondern zur schnell kopier- und verbreitbaren Masse wird. Was ist die Alternative? Sich neuen Vertriebsformen weit möglichst verschließen? Wie es die Plattenfirmen lange genug versucht haben und immernoch versuchen? Oder sich diesem Vertriebkanal zu öffnen, versuchen mit seinen Nachteilen zu leben, dafür um so mehr von den Vorteilen zu profitieren? Die Nutzer finden einen Weg, und das ist der illegale Tausch über Tauschbörsen. Was ist also die Alternative?
Radiohead macht die Nachteile zu seinem Vorteil, zumindest momentan, sozusagen als First Mover. Mit einem völlig neuen Modell, Musik und die “kostenlosmentalität” die im Netz herrscht zu verbinden und trotzdem daran zu verdienen. Ja sogar neue Zielgruppen zu finden, die vermutlich nie Radiohead hören würden, was sich wiederrum positiv auf zukünftige Tourneen auswirken dürfte (falls die nicht eh schon immer ausverkauft waren).
Wieviel Kreativität und Kunst wert ist, bestimmen nicht die Künstler bzw. Agenturen, Labels, Plattenfirmen, sondern am Ende immer der Konsument.
Die Frage ob deshalb Kreativität unter Wert verkauft wird, muss man umdrehen, wieviel ist Kunst und Kreativität wert? Ich würd sagen, Geschmacksache oder eine Sache der Nachfrage.
Oktober 16th, 2007 at 00:10
Über das Thema Plattenfirma - Vertrieb - Marketing usw. brauchen wir sicher nicht sprechen, da sind wir uns einig, denke ich. Was ich bezweifel ist - und das zeigt sich bei Radiohead auch - dass der Mensch ja auch kapitalistisch denkt: wieso für was zahlen, was ich auch kostenlos bekomme. Sicherlicht gibt es Liebhaber, die auch für die paar MP3s 20 Euro aus Solidarität hinblättern, aber der Großteil lädt es sich doch kostenlos oder nur für einen kleinen Betrag wegen dem schlechten Gewissen. Selbst bei Radiohead, die ja wirklich angeblich die “schlaueren” Hörerschaften anziehen, selbst da laden 35% komplett kostenlos und sicherlich nochmal genauso viel für den Anstandsbetrag als Trinkgeld. Mir geht es also vielmehr um diese erschreckende Selbstverständlichkeit, mit der heute Kunst, Musik, Kutur verscheuert wird. Kreativität muss ihren gerechten Preis haben. Und hätte sie das, gäbs auch bei JvM mehr Kohle ;-)
November 10th, 2007 at 00:03
[...] hat eine neue Studie bezügl. des neuen CD Vertriebsmodels der Band Radiohead erstellt. In der Studie ging es darum, wieviele Kosumenten tatsächlich und wieviel für das Album [...]