Qualitätsjournalismus am Beispiel der Hypo Real Estate

Qualitätsjournalismus am Beispiel der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate seit an beginn der Finanzkrise immer wieder ein Thema. Gerettet werden müsse diese Bank, da Sie sehr wichtig für den Pfandbriefmarkt ist, über den sich teilweise der Mittelstand finanziert, hieß es immer. Vermutlich hingen da auch noch ein paar andere Interessen von Banken wie z.B. der Deutschen Bank dran, aber gut.

Im September 2008 stand die HRE also kurz vor dem Zusammenbruch und musste durch kurzfristige staatliche Intervention und der eher geringeren Unterstützung der restlichen deutschen Bankenwelt gerettet werden. Die üblichen Qualitätsmedien plapperten das Pressekonferenzgelabber der Politiker und Bankensprecher nach. Vor allem die Politiker und große Teile der “Qualitätspresse” verzichteten auch großzügig darauf, mal einen Blick auch in die hinteren Seiten des letzten HRE Quartalsberichtes zu werfen. Ob unabsichtlich oder absichtlich, sei mal dahingestellt. So ganz nach dem Motto für etwas was ich nicht gesehen habe, muss ich auch keine Verantwortung übernehmen. Das Wort “Holschuld” gibt es offensichtlich im Sprachgebrauch einiger Politiker eh nicht.

So kam es also, dass man der “Qualitätspresse” und der Öffentlichkeit damals etwas von 35 Mrd erzählte, dass größtenteils der Bund auf bringen musste um die HRE zu retten. Von weiterem benötigten Kapitalbedarf war keine Rede. Und auch die Gefälligkeitsjournalisten der Wirtschaftsmagazine mit Anspruch wie das Handelsblatt, FTD und wie sie alle heißen, übernahmen diese Angaben ohne mal etwas genauer hinzu schauen. Sowieso, Quartalsberichte von vorne bis hinten durchlesen und nicht nur die Zusammenfassung auf den ersten drei Seiten, ist in unserer schnelllebigen Zeit eh nicht mehr en Vogue.

Gut das es da Blogger mit Anspruch gibt, die sich die Zeit nehmen, Inhalte und Themen sauber recherchieren und das ganze auch noch der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung stellen. DAS ist echter Mehrwert! Und so konnte man bereits im September 2008 lediglich in einem Blog lesen, wieviel Kapitalbedarf auf die HRE noch zukommen wird. Nämlich genau die Tatsachen, die wir heute, knapp ein Jahr später, so langsam in der Mainstreampresse zu hören bekommen. Da ist die Rede von bis 2012 keine Gewinne, sondern nur Verluste.

Die Glücklichen, die eben damals den Blog weissgarnix.de gelesen haben, wußten bereits vor dem Beinahezusammenbruch, dass da nicht nur 35 Mrd kommen werden, sondern etwa 180 Mrd bis vermutlich Ende 2009 und auch noch noch weitere 5 Jahre um die 80 Mrd. So kann man sich auch die Aussage des HRE Vorstandes erklären, der meint, bis 2012 fährt die HRE Verluste ein, für die der Steuerzahler jetzt aufkommen darf, da die HRE ja bekanntlich verstaatlicht ist. 2008 – 2012 ergibt so knapp 5 Jahre.

Soweit so schlecht. Nun ein Jahr später, kommt der Spiegel mal auf die Idee, dass da wohl einige Verantwortliche ihre Augen und Ohren zu fest zugehalten haben. Denn, wie folgt lautet die Überschrift eines aktuellen Artikels:

Rettung der Hypo Real Estate: Schwere Vorwürfe gegen Bafin und Bundesbank

Darin heißt es:

35 Milliarden Euro sollten die Hypo Real Estate zunächst retten – doch letztlich war dafür viel mehr Geld nötig. Die Chefs von Bankenaufsicht und Bundesbank sollen der Öffentlichkeit den erhöhten Finanzbedarf bewusst verschwiegen haben. Die Betroffenen weisen den Vorwurf zurück.

Ich muss mal kurz lachen. Wenn ein Blogger diese Mehrbelastung bereits im September 2008 aus dem offiziellen Quartalsbericht der HRE herauslesen konnte, dann wußte das aber mit Sicherheit auch die Bafin, auch die Bundesbank und die verantwortlichen Politiker. Und hätten Sie es nicht gewußt, würde ich aber sofort alle Verantwortlichen von Ihren Posten wegen Unfähigkeit freistellen und wegen Pflichtverletzung in den Bau fahren lassen.

Noch schlimmer aber ist, dass die Presse damals so viel Anstand und Qualität besaß einfach mal darauf zu verzichten, den Quartalsbericht durchzulesen und diese Misstände bei dem Gefassel der Verantwortlichen aufzudecken. Presse die 4 Macht heißt es so schön. Und gerne bezeichnen sich die ethablierten Nachrichtenverlage auch als “Qualitätsmedien” im Vergleich zu Blogs. Doch an diesem Beispiel frag ich mich, wo war den die 4 Macht? Wo war den der Qualitätsjournalismus für den man in Zukunft gefälligst bezahlen soll? Wie aktuell und gut recherchiert ist eine “Nachricht” wenn ich besagtes bereits 2008, ein Jahr vor dem Spiegel Artikel, frei zugänglich auf dem Blog meines Vertrauens lesen konnte?

Gerade wollen einige Nachrichtenportale wieder auf Bezahlinhalte umsteigen, so z.B. Springer. Ich darf mal kurz prophezeihen, dass das bei der momentanen Qualität sicherlich nicht erfolgreich klappen wird!


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