Mein Vertrauen in Politik und Medien

Ist leider ein lausiges. Vertrauen in die klassischen Medien besteht kaum und auch bei der Vielzahl von Politikern muss man sich immer fragen, aus welchen Lobby- oder Wahlkampfinteressen sie dies oder jenes sagen.

Ein neuer Fall, der mich weiter ernsthaft an der Integrität vieler klassischen Medien und Politiker zweifeln lässt, ist der Fall des Amoklaufs in Winnenden. Wie sich herausgestellt hat, war die Ankündigung von Tim Kretschmer, dem Amokläufer, im Internet eine Ente und offenbar gefaked. Es gab keine, wie vom Innenminister und Medien behaupteten Spuren auf dem Computer des Tim K.. Das blöde dabei ist, dass die Polizei, die Politik, und natürlich die Medien diesem Screenshot offensichtlich ungeprüft geglaubt haben und dies zum Hauptthema am 12.3.2009 gemacht haben. Der Worlaut des Screenshots aus dem Forum, in dem Tim K. angeblich seine Tat ankündigte wurde vom Innenminister Baden-Württembergs am 12.3. auf einer Pressekonferenz vorgelesen. Am Abend ruderte die Polizei dann zurück.

Das erschreckende an dieser Ente ist, dass man merkt, wie einfach sich Politiker und Medien manipulieren lassen, wenn ein gewisser Tatbestand nur zu gut ins Bild passt und eigene Interessen bestätigt. Die richtige gefälschte Information am richtigen Ort und schon kann man die Berichterstattung der Medien, Meinung eines Politikers und vermutlich damit auch die Meinung einer Mehrheit der Bevölkerung beinahe einen Tag lang beeinflussen. Eine erschreckende Erkenntnis. Warum sollte sowas im Irakkrieg oder 9/11 nicht auch möglich gewesen sein, vor allem vor dem Hintergrund, dass hier erheblich mehr Menschen Interessen und Möglichkeiten an einer Manipulation der Berichterstattung hatten.

Weiter zeigt dieser Fall auch, dass man in unserem Land der Politik, Polizei und Medien eine Medienkometenz im Bereich Internet komplett absprechen muss. Geschweige den, dass dort eine Ahnung besteht, was im Internet wirklich passiert und was in der digitalen Welt alles möglich ist, vor allem wie einfach es ist digitale Dinge zu verändern und nach eigenen Vorstellungen zu manipulieren.

Es zeigt auch, dass Politiker und Behörden, die denken, Sie seien maßgeblich für die Gesetzgebung im Bereich “Internet” zuständig, eigentlich keine Ahnung davon haben, was Sie mit Ihren Gesetzen da eigentlich beschliessen und welche Auswirkungen das in Zukunft haben wird. Man siehe hier Schäuble und Zypries mit ihrer Vorratsdatensepicherung, Bundestrojaner und Internetsperren, deren Legitimation in Deutschland vermutlich auch lediglich auf Angstmacherei durch Politiker und Medien besteht. Wer kann schon die vielen angeblichen Terrorwarnungen noch nachprüfen.

Es ist unvertretbar, wie wenig sorgfältig hier auf allen Seiten an der Berichterstattung zu diesem Fall gearbeitet wurde. Es ging allen Seiten am Ende nur darum, ein zu gut passendes Bild zu finden, eine Sensationsgeilheit zu befriedigen und nicht und eine ehrliche Aufklärung.

Hier muss sich jede, an der Berichterstattung beteiligte Partei ein Versagen eigestehen. Doch leider passiert auch dies nicht! Und das zeigt eigentlich wie Arm unsere Gesellschaft geworden ist. Es zeigt auch, mit genau welcher Gesellschaft dieser Tim k. nicht mehr klarkommt. Eine Gesellschaft, in der Schwäche nicht akzeptiert und toleriert wird, in der man sich nicht mal Irren darf.

Im Prinzip wäre es doch so einfach, die Presse, die Polizei, der Minister bräuchten nur mitzuteilen, “Ok, hier passierte ein Fehler, wir entschuldigen uns für die Panne und bitten um Verständnis, hier wurde nicht sauber gearbeitet”. Doch was passiert? Die Verantwortung für die Panne wird zwischen Medien, Polizei und Politik hin und her geschoben und bis zum jetzigen Zeitpunkt auf einen Vater aus Bayern und dessen Sohn, der angeblich “Livezeuge” der Ankündigung im Internet war, abewälzt. Die Medien schieben die Verantwortung auf den Minister, der Minister erzählt “er hätte ausdrücklich von vorläufigen Ergebnissen geredet” und schiebt die Schuld auf die Polizei und die Polizei am Ende auf angebliche Augenzeugen, wie dem Sohn des unbekannten Vaters aus Bayern. Das zeigt den Spiegel der Gesellschaft, in den Tim K. offensichtlich nicht mehr schauen wollte.

Was passiert ist, ist unfassbar. Und danaben erscheint diese Panne auch eher verhältnismässig klein. Die Schmerzen der Angehörigen müssen unfassbar groß sein. Doch gerade deshalb sollte mit Mutmaßungen, falscher und voreiliger Berichterstattung anders umgegangen werden, als es der Fall ist.

Was ich hier auch noch anmerken möchte, ist eine noch perversere und behindertere Berichterstattung in einem Medium das sich Twitter nennt. Es ist die Ausgeburt an Sensationsgeilheit und Informationoverkill. Die in Worte gebrachten 140 Zeichen Perversion. Quasi der Livecounter wieviel Menschen den nun schon an welchen Unglücksort auch immer ums Leben gekommen sind. Der Liveticker der Spanner und Schaulustigen, die sich darauf an ihren Rechnern einen runterholen. Sie sind die modernen Spanner beim Unfall auf der Autobahn, die dem Rettungswagen den Weg versperren und den im Auto liegenden aufgeschlitzen Menschen wie im Zoo ablichten.  Was dort passiert widerlich!

Ein guter Artikel zu dem obigen Thema findet sich auch hier:

http://banger.twoday.net/stories/rant-sorgfalt-in-politik-und-medien/

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