Seit 14 Jahren bin ich regelmäßig auf den größten deutschen Festivals unterwegs. Kenne in etwa die Zustände wenn tausende Menschen auf einen Eingang zuströmen, der nur tröpfchenweise Besucher durchläßt. Die Kräfte die in einer Menge wirken sind unkontrollierbar und extrem. Bei einer Panik hat man schlicht weg keine Chance. Einmal auf dem Boden kommt man nicht mehr nach oben wenn sich die Masse bewegt.
Ich hatte mehrere solcher Erlebnisse auf Rock am Ring, als es früher die Wellenbrecher noch nicht so wirklich gab und sich die Menge bei den Konzerten extrem zusammendrückte und vor und zurück bewegte. Man hat dabei schlicht weg keine Chance irgend etwas zu machen.
Auf meinem ersten Southside Festival, damals noch in München, kam es bei der Band Bush zu einer Situation die ich nie vergessen werde. Die Massen bewegten sich vor und zurück, wir waren mittendrin. Man wird mitbewegt, man hat keine Chance dagegen anzukommen oder stehen zu bleiben. Plötzlich fielen die ersten Reihen nach hinten und wie ein Kartenhaus folgten die nachfolgenden Publikumsreihen, auf einmal lagen Menschen übereinander, man konnte nichts machen, man wurde einfach mitgerissen. Es ging zwar alles glimpflich aus, aber seit diesem Tag weiß ich welche Kraft eine Menschenmasse haben kann und man schlicht nur noch Spielball einer wabbernden Menge ist.
Nun kam es gestern bei der Loveparade 2010 auf dem Gelände am alten Güterbahnhof in Duisburg zu 19 Toten und zig Schwerverletzen bei einer Massenpanik. Die Loveparade wird jährlich von mehr als einer Million Menschen besucht. Der Veranstalter, die Stadt, die Behörden kannten die Dimensionen und mussten sich im Klaren sein, was da auf sie zukommt.
Dennoch wurde offenbar ein Zugang zum Loveparade Gelände gewählt, der eigentlich jedem, mit normalen Menschenverstand und etwas Festivalerfahrung, als ungeeignet vorkommen muss. Der Zugang war eine Tunnelstrasse mit zwei Eingängen und in der Mitte des Tunnels einem Ausgang zum Festivalgelände. Das heißt, von zwei Seiten strömen ständig hunderttausende Besucher in den Tunnel. In der Mitte treffen sie aufeinander um dann seitlich auf die Zugangsrampe zum Gelände zu gelangen. Eine Mausefalle.
Links, rechts, oben, nur Beton, keine Fluchtwege, vermutlich dunkel und sehr stickig, bei tausenden Menschen im Tunnel. Dazu Hitze und Wassermangel. Möchte man da eine Million Besucher durchschicken? Die evtl. schon etwas angeschlagen von der Anreise sind, die vermutlich schon gut alkoholisiert sind und andere Substanzen zu sich genommen haben? Möglicherweise ungeduldig aufs Gelände wollen und warten müssen? Ich würde man mit klarem Menschenverstand sagen: Nein!
Auf der folgenden Karte seht ihr das Gelände. Die L237 geht durch den Tunnel durch den die Besucher geschickt wurden. Ungefähr in der Mitte der Karte und der L237 seht ihr wo der Zugang zum Gelände bzw der Ausgang des Tunnels in der Mitte ist.
Angeblich wurde das Gelände dann zeitweise wegen Überfüllung gesperrt. Die Besucher strömten aber immer noch von beiden Seiten in den Tunnel rein. In der Mitte kamen aber die Menschen nicht mehr weiter aufs Gelände, was vermutlich dazu führte, dass der Druck, der von den Seiten nachschiebenden Besucher, auf die in der Mitte immer größer wurde. Diese hatten keine Ausweichmöglichkeit. Sie versuchten über Lichtmasten, Container und einer baufälligen kleinen Treppen aus dem Kessel raus zu kommen. Was dazu führte, das der Druck auf diese wenigen “Nadelöhre” gewaltig zunehmen musste. Das Ergebnis ist heute zur genüge bekannt.
Schon im Vorfeld gab es erste warnende Stimmen zu den Zugangswegen zum Gelände, von erfahrenen Loveparadebesuchern aus den letzten Jahren. Diese kommentierten schon Wochen vor der Veranstaltung auf Internetseiten:
7. Juni: “klotsche”: “Sehe ich das richtig, dass die versuchen, eine Million Menschen über die einspurige Tunnelstraße Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch zwei kleinen Trampelpfaden hoch zum Veranstaltungsgelände zu führen? Also, in meinen Augen ist das eine Falle. Das kann doch nie und nimmer gut gehen. Wer in Essen und Dortmund dabei war, weiß, wie groß das Gedränge schon auf recht weitläufigen Zugangswegen war. Das war schon eine Katastrophe und die wollen ernsthaft den Zugang über nen einspurigen Tunnel leiten? Ich fasse es nicht! Ich sehe schon Tote, wenn nach der Abschlusskundgebung alle auf einmal über diese mickrige Straße das Gelände verlassen wollen.”
4.Juni: “Klappschramme”: “Bei einer Panik hat man zu beiden Seiten meterhohe Betonwände – absolut ungeeignet.”
Quelle: Spiegel
Solche Kommentare gab es offenbar viele im Vorfeld. Ich kann mir das auch nur schwer vorstellen wie man auf diese Idee gekommen ist. Die einzige Erklärung für mich kann nur sein, dass keiner der leitenden Veranstalter und der leitenden Behörden jemals selbst in einer solchen Menschenmasse angestanden sind und vermutlich schicht nur die Theorie kennen. Sie kennen zwar die Bilder und Aufnahmen ihrer vergangen Veranstaltungen, doch auf Bildern wirkt das meist recht harmlos. Vorher habe ich im Fernsehen auch die Bilder der Katastrophe gesehen und es sieht erstmal alles gar nicht so schlimm aus, wie berichtet wird. Man sieht diese Kraft die da wirkt von Außen nicht.
Man kann das glaube ich nur begreifen, wenn man selbst mal in so einer Masse gestanden hat und ich glaube und bin überzeugt keiner der Veranstalter stand je selbst bei einer seiner Events selbst mal am Einlass an. Die haben das schlicht weg unterschätzt und nicht begriffen!
Grob fahrlässig? Was meint ihr? Wie sind eure Erfahrungen?
Videos, Berichte usw. findet ihr noch hier:
http://spacecat90.antville.org/stories/2009274/
http://www.nerdcore.de/wp/2010/07/24/tote-auf-der-loveparade/
http://www.ruhrbarone.de/der-ruhrpilot-zur-loveparade/
http://www.spreeblick.com/2010/07/24/katastrophe-bei-der-loveparade-in-duisburg/
Update:
Bei weissgarnix findet sich auch ein fragender Artikel, warum sowas möglich ist?
http://www.weissgarnix.de/2010/07/25/schockierende-erfahrung/
Update 2
15 Tote, über 300 Verletzte und die Verantwortlichen sprechen in der Pressekonferenz von einem funktionierdem Sicherheitskonzept? Die ticken doch nicht ganz Richtig!















Tragödie auf der Loveparade Was tun? Verbreitet diese Botschaft Nichts geschieht – außer man tut es!!
Zutiefst erschüttert möchte ich hiermit mein tiefes Mitgefühl, meine unendliche Trauer zum Ausdruck bringen über
ein solch unfassbares Geschehen, den völlig sinnlosen Tod von 21 Menschen, der so einfach zu vermeiden gewesen wäre.
Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden der völlig unschuldigen Todesopfer – voller Entsetzen.
Ihr grausamer Tod darf nicht umsonst gewesen sein.
Nichts ist mehr, wie zuvor – Nichts ist mehr, wie es einmal war.
Es ist genug.
Deshalb dieser Appell an die Weltgemeinschaft!
Menschen, die gemeinsam mit Millionen von anderen Menschen lebensfroh für die universelle Liebe auf der Loveparade tanzen wollten, seit 1989, kommen grausamst, völlig unschuldig und völlig sinnlos auf solch tragischste Weise ums Leben –
aus reiner Profitgier, aus totaler Verantwortungslosigkeit, aufgrund eines absurden Geltungswahns und irrealer Imagesucht.
Was für eine Politik. Was für Dilletanten, was für eine Gesellschaft.
Es ist Zeit, dieses perfide System, wo sich alles immer nur ums Geld und um den maximalen Profit dreht, zu beenden.
Dieses System, was sich, völlig zu unrecht, soziale Marktwirtschaft und Demokratie nennt,
wird von Geldgier getrieben und ist doch auch nur
eine Diktatur der großen, breiten, trägen, zumeist unreflektierten, verführten Masse über Minderheiten.
Und gerade die große Mehrheit hat längst nicht immer recht.
Wir, die einzelnen Menschen sind nur billiges Stimmvieh.
Leider kenne ich kein besseres Lebensmodell – als die Demokratie.
Aber wir können diese Gesellschaft in eine humanere, menschlichere Gesellschaft und in eine echte Basis-Demokratie verwandeln, damit solch grausame Dramen, wie in Duisburg am 24.07.2010, nie wieder geschehen.
Wie? Es ist so einfach:
Wir müssen uns nur alle gleichzeitig solidarisch verhalten.
Nur dann können wir diese Welt noch retten – für unsere Kinder und Kindeskinder,
damit auch diese noch in einem lebenswerten Umfeld aufwachsen können und dürfen.
Wir dürfen uns nicht mehr bei jeder Wahl als billiges Stimmvieh und willenloses Werkzeug missbrauchen lassen.
Trotzdem sollten wir alle zur Wahl gehen,
weil wählen gehen zu dürfen ein hohes Gut ist,
für das viele Menschen in Diktaturen ihr Leben verlieren, nur weil sie Wahlen fordern.
Geht bitte alle zu jeder Wahl und macht eure Stimme ungültig, indem ihr ein großes Riesenkreuz auf jeden Wahlzettel macht.
Ja, Ihr habt richtig gelesen: Geht zur Wahl und macht Eure Wahlstimme ungültig. Warum ?
Damit demonstrieren wir und zeigt Ihr, dass auf dem Wahlzettel niemand steht,
den man ehrlichen Gewissens wählen kann und dass wir
eine bessere Gesellschaft, eine bessere Welt wollen in Liebe und Frieden – für alle Menschen auf diesem Planeten.
Gehen wir alle zur nächsten Wahl. Machen wir alle gemeinsam unsere Wahlstimme ungültig:
als Zeichen der Trauer,
als Zeichen unseres Entsetzens,
als Zeichen unserer Fassungslosigkeit,
als Zeichen der Entrüstung,
als Protest gegen ein System, dessen Folge der sinnlose grausame Tod von 21 jungen Menschen ist,
nur weil sie für die Liebe und in Liebe tanzen wollten,
als Zeichen dafür, dass wir eine humanere, menschlichere Gesellschaft wollen,
in der niemand aus Profitgier sterben muss – egal an welchem Ort auf dieser Welt,
als Zeichen dafür, dass wir die Spirale nie endender, auch wirtschaftlicher, Gewalt und des grenzenlosen Egoismus durchbrechen wollen,
als Zeichen dafür, dass wir so nicht weiterleben können und wollen.
Die dramatisch ungerechten Zustände dieser Zeit,
die Spaltung der Kontinente, Nationen und Gesellschaften in Verlorene ohne jede Perspektiven und in
skrupellose, machthungrige und rücksichtlose Potentaten, in Industrie, Wirtschaft und Politik,
die im Rausch der Allmacht alle Werte und Ideale vergessen und verlieren,
ist das Resultat unseres Verhaltens in der Vergangenheit.
Wollen wir also die Zustände und Verhältnisse ändern,
müssen wir selbst unser eigenes Verhalten ändern.
Dazu gibt es keine Alternative. Anders geht es nicht.
Denn wenn wir unser Verhalten nicht ändern,
werden wir immer wieder nur dieselben grausamen Resultate bekommen,
gefangen in einem Karussell immer wiederkehrender Ungerechtigkeiten,
gefangen in der Zerstörung unserer Zukunft und gefangen in der Vernichtung
der Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen auf dieser Erde.
Und selbst die reichen Industrienationen der westlichen Welt werden letztendlich zwangsläufig untergehen,
wenn wir so weiter machen, wie bisher.
Mein Appell an Alle und jeden Einzelnen von Euch:
Ändern wir unser Verhalten, handeln wir alle gemeinsam, gleichzeitig solidarisch vereint.
als Protest gegen ein Systems, dessen Folge die Ausbeutung von Mensch, Tier, Umwelt und Natur ist und
dessen Folge die Vernichtung der Lebensgrundlagen ganzer Völker und Generationen ist – rücksichtslos und skrupellos.
Gehen wir alle zur nächsten Wahl.
Machen wir unsere Wahl-Stimme ungültig,
damit in den Köpfen der Mächtigen ein Umdenken provoziert, initiiert und veranlasst wird – zur Rettung dieser Welt,
als Zeichen dafür, dass wir die Welt zum Positiven ändern wollen und müssen – für alle Menschen,
als Zeichen dafür, dass wir die Entmachtung der Macht des Geldes und die Entmachtung der Profitgier wollen.
Es ist die Zeit gekommen, zu handeln.
Wenn wir alle – gemeinsam – zur gleichen Zeit – solidarisch handeln und dieses Zeichen setzen in Form der ungültigen Wahlstimmen,
dann wird sich die Welt verändern – hoffentlich zum Positiven. Denn:
Eines ist sicher!
Wenn wir nichts tun,
wird sich nichts ändern,
wenn wir nichts tun,
wird sich alles immer wieder wiederholen,
wenn wir nichts tun,
werden noch größere Katastrophen folgen,
wenn wir nichts tun, wird diese Welt untergehen, vielleicht nicht in unserem Leben, aber in dem Leben unserer Kinder und Kindeskinder.
Die Abgabe der ungültigen Wahlstimme soll der Welt zeigen,
dass es so nicht weitergehen kann,
dass wir über die besten Lösungskonzepte von Fachexperten zu den Problemen dieser Gesellschaft und dieser Welt abstimmen möchten und wollen,
dass wir nicht mehr unfähige, heuchlerische, unehrliche Politiker und Parteien wählen wollen,
die das Volk und die Wähler wissentlich und absichtlich, immer wieder aufs Neue, belügen,
die machtgierig, machthungrig und geltungssüchtig im Allmachtsrausch gefangen und den Lobbyisten verfallen sind.
Wenn diese unfassbare Tragödie, wenn dieses unsägliche Trauma in Duisburg am 24.07.2010 bewirkt,
dass wir alle innehalten und die Menschen dazu bewegen, alles dafür zu tun,
dass wir in einer besseren Welt leben können werden, vereint in Liebe und im Frieden – für alle,
wenn diese Katastrophe, die Geburtsstunde, die Initialzündung für eine neue Ära der Menschlichkeit,
wenn dieses so leicht vermeidbar gewesene Drama der Anfang einer neuen, humaneren Weltordnung ist und wird,
dann war und ist der Tod dieser 21 Menschen nicht umsonst gewesen.
Wenn diese grausame, unfassbare, unbegreifliche Tragödie zum Aufbruch in eine menschlichere Weltgemeinschaft führt,
dann sind diese lebensfrohen jungen 21 Menschen, die das ganze Leben noch vor sich hatten, nicht vergeblich gestorben.
Dafür bete ich.
Es liegt an uns und an jedem einzelnen von uns. Wir haben es ganz allein in der Hand, jeder Einzelne von uns.
Verbreitet diese Botschaft, damit 21 Menschen nicht vergeblich gestorben sind.
Nichts geschieht – außer man tut es.
Dr. E. Hoffnung in OWL-NRW-BRD : 01793705289
Die Zeit ist gekommen, zu handeln.
Das ist wirklich brutal! So etwas wünscht man nicht mal seinen Feinden!