Frau Aigner und Google

Es ist schön das Ministerin Frau Aigner so um das Wohl der Verbraucher besorgt ist.  Ist ja schließlich auch ihr Job als Verbraucherschutzministerin. Zur Zeit hat Sie es auf die großen Internet-Unternehmen abgesehen. Vor allem auf Google. Datenkraken und “Orwell hätte sich das nicht träumen lassen” fallen da.

Branchenriesen wie Facebook, Apple, Google oder Microsoft können im Internet ganze Persönlichkeitsprofile erstellen. Sie wissen, wofür wir uns interessieren, was wir kaufen, wohin wir verreisen, mit wem wir befreundet sind. Manche Verbraucher werden dadurch richtig interessant für die Wirtschaft, andere landen womöglich auf schwarzen Listen oder bekommen Schwierigkeiten bei der Jobsuche.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/computer/402/504612/text/

Natürlich machen das diese Unternehmen. Das ist ihr Geschäftsmodell. Jeder will alles kostenlos im Internet benutzen, dafür bezahle ich mit meinen Daten. Damit die uneffektive Massenwerbung zur effektiveren 1zu1 Werbung werden kann und die Unternehmen sich so finanzieren können. Abgesehen davon, dass ich 1und1 Werbung persönlich besser finde als die ganzen Massenspams und Mailings in meinem Briefkasten, die mich einen Dreck interessieren. Da erhalte ich lieber von Amazon personalisierte Werbung zu einem Fachbuch ergänzend zu dem Fachbuch, dass ich kürzlich gekauft habe.

Diese Unternehmen bieten Angebote, die ich annehmen kann oder eben nicht. Ob Facebook, Google, Apple, Microsoft, es bleibt mir überlassen ob ich die Dienste dieser Unternehmen nutze. Ich habe die Freiwilligkeit und die Wahlmöglichkeit. Und es gibt durchaus Alternativen zu diesen Branchengrößen. Man kann die Nutzung der Dienste auf diese Unternehmen verteilen. So suche ich bei Google, habe meine Emailadresse bei Microsoft, meine Musik kaufe ich bei Apple und Facebook nutze ich zum chatten. Da diese Unternehmen am Ende Konkurrenten sind und sich gegenseitig versuchen das Wasser abzugraben wird eine Verknüpfung der Daten zwischen den Unternehmen kaum stattfinden. So ist es keinem Unternehmen möglich sich ein ganzheitliches Bild über mich zu machen. Bin ich dann noch mit meinen preigegebenen persönlichen Daten etwas sparsam, schütze ich mich und meine Daten gegen Missbrauch schon recht gut. Vermutlich wird es auch nie DAS eine Unternehmen mit dem alleinigen Monopol geben. Jedes der oben aufgeführten Unternehmen hat seine Stärken und beherrscht in seinen Kerngeschäften den Markt inkl. die ein oder andere Schnittmenge mit der Konkurrenz. Ich glaube aber nicht, dass Einer irgendwann alle Märkte beherrschen wird. Man muss auch bedenken, dass ständig neue Technologien und Dienste auf den Markt kommen, die sich gegenseitig wieder verdrängen. Man hat das 2000 an AOL gesehen. Man dachte, dass irgendwann alle nur noch über das AOL Portal und die AOL Software surfen. AOL war ähnliche wie Google heute all gegenwärtig. Doch am Ende wurden auch Sie wieder abgelöst durch besser Dienste, Plattformen und Portale. Wer sich noch zusätzlich schützen und anonym sein will, der nimmt noch diverse Tools wie Tor, Anonymizer Software und ähnliches.

Sicher hätte sich Orwell manches davon noch nicht träumen lassen. Aber das Sammeln von Logfiles und Daten liegt nun mal auch in der Natur dieser Technologien. Wenn man sich bewußt ist, dass jeder Klick im Internet eine Spur in irgend einem Logfile oder einer Datenbank hinterlässt, dann kann man sich entsprechend schützen und sein Verhalten im Internet entsprechen anpassen.

Was Frau Aigner nicht sieht, oder nicht sehen will, ist die Gefahr die dabei vom Staat gegen uns Bürger ausgeht. Nicht diese Unternehmen Einzeln stellen die Gefahr für unsere Privatsphäre dar, sondern der Staat, der sich zunehmen Zugriff auf diese und weitere Daten und Logfiles verschafft und die Möglichkeit hat diese zentral zu verknüpfen. Eine solche Infrastruktur wird zunehmend vom Staat aufgebaut und ausgebaut. Man schaue sich die Möglichkeiten und Missbrauchsmöglichkeiten von Vorratsdatenspeicherung, ELENA, elektronischen Pässen, elektronischen Gesundheitskarten, digitalisierten biometrischen Daten, elektronischen Wahlen, Bundestrojaner, DE-Mail und jüngst den Internetsperren an. Mit all diesen Möglichkeiten werden werden persönlichste Daten zentral zugänglich und verknüpfbar gemacht. Allein die Art der Nutzung kann lediglich noch gesetzlich einigermassen eingeschränkt werden. Ein Missbrauch ist aber auch hier so gut wie sicher, wie Fälle in anderen Ländern oder in der Vergangenheit in anderen Beispielen gezeigt haben. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigen, dass technisch bestehende Möglichkeiten genutzt werden und Gesetze dagegen entweder erst gar nicht geschaffen werden oder Gesetze sogar dafür zur Nutzung unter dem Vorwand des Terrorschutzes oder der Kostenersparnis erlassen werden.

Frau Aigner ist hochgradig unglaubwürdig, Herr de Mezière zur Zeit mit dem Datenbrief im Übrigen auch. Wenn dann brauchen wir einen Schutz vor der Datensammelwut des Staates. Einen Datenschutzbrief des Staates an die Bürger müsste es geben. Besser wäre es wenn man so etwas überhaupt nicht bräuchte weil die Daten einfach nicht elektronisch erhoben werden würden. Bei der Datensammelwut des Staates habe ich keine Freiwilligkeit oder gar Wahlmöglichkeit. Ich werde dazu gezwungen. Wenn ich telefonieren möchte, dann kann zwar meinen Anschluss-Provider wählen aber nicht ob die Daten in der Vorratsdatenspeicherung vorgehalten werden, da gesetzlich für alle Provider in Deutschland Pflicht. Nicht die Provider und Unternehmen mit einer umfangreichen Datenhaltung sind das Problem, sondern der Staat der sich mehr und mehr gesetzlich Zugriff auf diese Daten bei den Unternehmen verschafft. Den erst er erhält die Möglichkeit diese Daten über Unternehmensnrenzen und somit über Konkurrenzgrenzen hinweg zu verknüpfen und auzuwerten.

Wenn Fau Aigner gegen Google wettert, andere Politiker gegen Zensur in China protestieren, sollten sie sich doch erstmal an die eigene Nase fassen und dafür sorgen, dass der deutsche Staat eine solche Infrastruktur zur Überwachung und Zensur nicht selber aufbaut. Was Frau Aigner und Herr de Mezière fordern ist richtig und gut, aber von der falschen Seiten angegangen.

Nicht Google Street View ist unser Problem! Sondern unser Staat ist das Problem. Denn, gegen Gesetze die das Ausspähen meiner Privatshäre legal machen, kann ich nicht mehr so einfach widersprechen.

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