Flop der Woche: Betty TV Deutschland hat auch fertig
Das diesem Gerät keine all zu rosige Zukunft blühte, hatte ich schon vor ziemlich genau einem Jahr auf dem Product Placement Kongress in Nürtingen geahnt. Damals voller Euphorie vom Betty TV Marketing Chef vorgestellt, versuchte ich verzweifelt einen Mehrwert an der überaus “interaktiven” Fernbedienung ala zwonuuullll zu erkennen und begann mit meiner Recherche zu diesem Thema.
Das Meiste was ich fand, waren diverse Keyfact Papers und Pressemitteilungen in denen es darum ging, was für ein innovatives Werbeinstrument dieses Gerät sei. Die Hoffnung der TV Sender sich aus der Medienkrise zu erheben und dem allmächtigen Internet endlich ein Schnippchen zu schlagen. Die Lösung gegen sinkende Werbeeinnahmen und wegzappenden Zuschauern.
Um so klarer wurde mir, dass der Mehrwert für den eigentlichen Konsumenten nur vordergründig sein konnte, den hinten rum hatte man Großes vor. So Großes, dass man vergaß, dass der Konsument vorne eigentlich etwas mehr erwartete als ein vorgeschobenes Bonusprogramm, das man wiederrum in ein anderes Bonusprogramm konvertieren musste. Man übersah den Konsumenten sogar so sehr, dass man ganz vergaß, ihm ein wirklich einwandfrei funktionierendes System zur Verfügung zu stellen. So kam es das Betty Tv den Beta Status nie wirklich verlassen konnte und der Unmut unter den Nutzern immer lauter wurde. Die Freude über 50 Sofameilen (dem Betty Bonusprogramm) wurde schnell zum Frust über die nicht gebuchten oder von Betty verbummelten Sofameilen.
Schon im Juli 2007 ließen interne Quellen verlauten, dass irgendwas nicht so ganz rund läuft. Als dann der Vorstandsvorsitzende gegangen war und das Quartalsergebnis der Mutter Swisscom auf dem Tisch lag, war klar, das kann nicht mehr lang gut gehen. Erst vor kurzem wurde dann das Aus in der Schweiz verkündet. Man gab aber bekannt, das dies keine Auswirkungen auf den Betrieb in Deutschland habe, man suche lediglich Investoren. Die kamen offensichtlich nicht. Hatte doch der letzte Hilferuf von Betty TV auf den Medientagen München nichts gebracht. Vor kurzem noch Schnittchen auf dem Stand und jetzt Feierabend. Verkündete heute eine Pressemitteilung auf der Unternehmenswebseite das Aus für Betty TV Deutschland Ende Dezember. Das ging dann doch flotter als der Bettyianische Wohnzimmer Trojaner gekommen war. Kein Geld mehr von Swisscom, Abwicklung, Feierabend! Soll es das jetzt gewesen sein?
Noch nicht ganz. Massen von billigen Fernbedienungen mit Minisiplay warten nun darauf für neue Anwendungen aufgebohrt zu werden. Und in der Tat entwickelt sich eine kleine Szene, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Fernbedinungen aus seinen Fesseln zu befreien und einer sinnvollen Anwendung zu zuführen. Sollen doch die Bauteile nicht mal von schlechten Eltern sein.
Ach ja vieleicht ist es auch ganz gut, dass jetzt Schluß ist. Wurde doch kürzlich erläutert, was viele schon ahnten, das die Betty noch mehr drauf haben soll, als Sofameilen nach Hause zu telefonieren. Soll ja gar nicht so ohne sein. Aber das wäre ein Thema für die ganz kühlen Wintertage vorm Kaminfeuer gewesen. Aber jetzt wirds bei denen eh schon kalt genug. Trotzdem, danke für die amüsante Zeit!

