Beinahe jedem von uns wurde im frühen Kindesalter weisgemacht, dass die Menschheit einer leidvollen Existenz friste, weil irgendwann zwei Nackedeis verbotenerweise einen leckeren Apfel von einem Baum pflückten. 1984 veröffentlichten fünf Haarspray-Junkies namens Twistet Sister ein Musikvideo, dessen jugendliche Rebellion sich in dem Satz „I wanna Rock!“ hinreichend und vollkommen beschreiben lässt. Im Mai diesen Jahres antworten vier altgediente Herren aus der Blütezeit alternativer Rockmusik mit einem Zitat dieses Musikvideoklassikers auf die Frage nach dem Sinn des Lebens mit der einfachen Message „Me? I´m gonna play!“ Über die neue Supergroup Sweet Apple, ihr Album Love and Despiration und das überlebensgroße Zitat von Sex, Drugs & Rock´n´Roll.
Einige Zeitgenossen werden dieses Album getrost ignorieren (dürfen), andere werden darin einen netten und harmlosen Soundtrack für die Langhaarbelüftung während diverser Überlandfahrten finden, Dritte erkennen in Love and Despiration den hintergründigen Witz zur dekadenalten Breitbeinposse und eine ordentliche Portion Selbstironie altgedienter Fourtysomethings, die weder sich noch der Welt etwas beweisen müssen. Die Rede ist von John Petkovic ( voc) und Tim Pranin (git) der Glamrocker Cobra Verde, Dave Sweetapple (bass) von den Metallern Witch welcher ebenfalls Bandkollege des Gniedel-Kautz John Mascis (drums!) in beiden Dinosaur Jr.-Nebenprojekten ist. Um hinter die Zitationsfreude bei Sweet Apple steigen zu können, kann es sicher nicht schaden, sich der jüngst erschienene kleine Low-Budget/Hi-Fun Reminiszenz an den bereits erwähnten Twisted Sister – Videoclip zu erfreuen.
Twisted Sister
Sweet Apple
So weit, so nett. Doch auch das Cover von Love and Despiration kommt ebenfalls nicht ohne eine kleinen Seitenhieb gegen das 1974 erschienene Album „Country Live“ der New-Wave-Avantgardisten und Federboaträger Roxy Music um Brian Ferry aus. Nicht, dass Coverkopien im Rock´n´Roll etwas Neues wären – trotzdem ist es sehr nett, ein Auge auf die beiden Plattencover zu werfen:
Genug gelacht und Appetit bekommen. Rein mit der Platte.
Erwartungsgemäß suchen sich bereits in den ersten Takten der Singleauskopplung „Do you remember?“ die auf 12 gedrehten Fullstacks promlemlos den Weg ins Ohr des Hörers , der treibende Refrain lässt diesbezüglich auch nicht lang bitten und kickt bereits nach einer knappen halben Minute angenehm ins Gemächt. Auf dem zweiten Song der Platte („I´ve got a feeling“) darf dann auch mal der Weißhaar-Weirdo was ins Mikro krähen und hat wahrscheinlich das eine oder andere Riff beigesteuert: Der Song trägt eindeutig die Handschrift der Alternative-Dinosaurier. Ebenfalls großen Spaß macht „Flying up a Mountain“, welches genauso wie „Somebodies elses Problem“ – man kann es sich bei Petkovics Stimme und der akzentuierten Gitarrenarbeit leider nicht verkneifen – sehr nach den Schweden The Hellacopters bzw. The Solution klingt. Fein.
Der Höhepunkt der Platte gipfelt allerdings nach so viel solidem Garagenrock m.E. in dem Sabbath-artigen „Blindfolded“ bevor keineswegs peinlicher Fallsettgesang eingebettet in billige Casio-Drumcomputer Sounds und Lo-Fi-Geklampfe bei „Dead Moon“ sich überraschend gut ergänzen. Die Herren wissen definitiv, was funktioniert. „Crawling over Bodies“ klingt, als hätte Nick Cave die Stooges statt der Bad Seeds im Rücken, bevor der knapp 40minütige Spaßrock der Äpfel mit einem sonnigen „Goodbye“ zu Ende geht.
Fazit: Die Gaudi, welche die Herren Petkovic, Mascis und co. offenbar während der Aufnahmen hatten, wird dankenswerterweise bei harmlosen aber höchst humorvollen Garagenrock direkt an den Hörer weitergegeben. Falls wirklich noch Zweifel bestehen, sollte man sich vielleicht die Bilder mit der Tennisballmaschine nochmals ins Gewissen rufen. Ansonsten: Fenster runterkurbeln –Haupthaar lüften. “It’s not big, and it’s not clever; it’s rock’n’roll, dude. Cranked amps, crashing drums. That’s all you get… and what more do you need?”
http://www.rock-metal-music-reviews.com/album-review-sweet-apple-love-desperation/
[Ein Artikel von Gastautor Groni]

















Für alle, die sich weiter für den Gniedel-Gnom interessieren sei der unten stehende Link wärmstens zu empfehlen! Mr. Mascis bei Soft Focus (ATP, GB) über die Anfänge von Dinosaur Jr. warum Drums wichtiger für das Sonwriting sind als Basslines, seinen Hausbrand u.v.m. in einem Interview, das zum Schmunzeln verleitet und seine Kauzigkeit offenbart. Check it out – Heisser Shice!
http://www.vbs.tv/de-de/watch/soft-focus-at-atp-uk/j-mascis
Bestes, Groni.
hehe, der kommt immer so verballert rüber, im seinen Interviews. Aber ich glaub, der ist wirklich so!