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Blamiert sich die künftige Nachwuchselite?

Ungefähr die Hälfte der deutschen Studenten tummelt sich im, in die Schlagzeilen geratenen, StudiVZ.
Vielen sind die gravierenden Probleme und Mängel bekannt, viele ignorieren, andere interessierts schlicht nicht. In dem ganzen Gewirr von Meinungen und Kommentaren zum StudiVZ gibt es leider eine ganze Menge an Personen denen ihre Daten, Datenschutz und alle Kritik am StudiVZ egal zu sein scheint. Da hört man Kommentare wie “Meine Daten sind mir Egal” oder “Hört doch mal auf rumzuhacken, ist doch jeder selber schuld, wenn er sich dort anmeldet” oder “mir egal wer was mit meinen Daten macht, hauptsache die Plattform funktioniert”. Sind sich die deutschen Studenten so egal, hauptsache Spaß?
Im StudiVZ gibt es ca. 200 000 Gruppen, die kaum überwacht oder kontrolliert werden. Unter diesen finden sich viele wie folgende: “Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird” oder “Ich glühe härter vor als du Party machst” und viele weitere Gruppen mit ähnlichem Inhalt, die sich größter Beliebtheit erfreuen. Sicher sind solche Gruppen als Spaß gemeint, für einen Außenstehenden dürfte vieles jedoch anderst aussehen. Viele laden stolz ihre letzten Saufbilder hoch, mit dem nötigen Volkabluar kommentiert, so kann jeder die letzte Party nochmal fast live Revue passieren lassen.
Und so kommentiert, bebildert und beschreibt die zukünftige Elite ihre Orgien, Besäufnisse, sexuelle Vorlieben oder ihre privaten oder politischen Neigungen nahezu öffentlich, für jeden einsehbar im Internet.

Schaut man sich so im StudiVZ um, könnte man sich als Außenstehender (z.B. der Personalchef ;) ) schon die Frage stellen: Die zukünftige Elite nur noch ein Haufen Exibitionisten, Selbstdarsteller, Spiegel der Spaßgesellschaft, wider jeglicher Kritik, die im Internet jegliche Hüllen fallen läßt ohne an Konsequenzen, Gefahren und die Zukunft zu denken oder sich bewußt zu sein?

Ich bin selber Student, sicher kein Spaßverderber und auf genügend Partys am Start, die die mich kennen wissen das und natürlich war und ist Freiern, Alkohol, Spaß und Freizügigkeit Teil studentischer Kultur und daran ist definitiv nichts auszusetzen. Student sein heißt auch feiern bis der letzte umfällt, oder kurz “Einfallen, Auffalen, Umfallen! ABER eben nicht im Internet. Früher blieben studentische Eskapaden in den Mauern der Uni oder zumindest in der Uni-Stadt. Heute ist alles öffentlich im Internet abzurufen. An die zukünftigen Folgen für manch einen denkt keiner.

Von Studenten sollte man eben auch erwarten, dass sie sich auch über Dinge neben den Studienfächern Gedanken machen. Nicht nur Teil der Spaßgesellschaft zu sein, sondern auch nachzudenken und Dinge kritisch zu hinterfragen?

Man frägt sich was Studis denken, wenn sie sagen “Was mit meinen Daten passiert ist mir Wurst, mir egal wer die bekommt”.

Wie groß ist die Kritikfähigkeit, wenn z.B. viele Blogs über die gravierenden Aspekte von StudiVZ scheiben und viele Studis sich so äußern: “Hört doch einfach auf damit, ihr macht mein Spielzeug kaputt” oder “Können die blöden Nörgler einfach mal ruhig sein und sich einfach abmelden, dann haben die anderen wieder Ruhe?”.

Wie groß ist die Bereitschafft sich auch mit negativen Aspekten auseinanderzusetzen? Nachzudenken und zu Begreifen? Nicht nur zu konsumieren?

    Aus meinen Erfahrungen in den letzten Wochen, oft viel zu wenig.
    Hauptsache Spaß scheint das Motto zu sein. Der Gruppenzwang, Netzwerkeffekt bzw. Herdentrieb kommt in vielen Fällen noch dazu und ist teilweise so hoch, dass Gefahren und Kritiken vielfach schlicht bewußt ausgeblendet werden. Menschen die nachdenken, Kritiker werden als Dauernörgler, Profilierungssüchtig und ja fast schon als nicht Gesellschaftsfähig abgestempelt. Vielleicht ein weit hergeholter Vergleich aber vor 65 Jahren hatten wir das schonmal.Das mag nach Paranoia klingen, aber mir scheinen die Möglichkeiten solcher Plattformen zur Beeinflussung und Kontrolle ganzer Generationen in mittelfristiger Zukunft immens, ja nahezu unbegrenzt, zu sein! Vieles kann man sich heute noch schwer vorstellen. Die Möglichkeiten der Beeinflussung über solchen Netzwerken wird aber mit Sicherheit grösser sein als z.B. beim TV, Zeitungen, Radio, usw…da es hier auf einer sehr persönlichen Ebene stattfindet! Beim StudiVZ muss man sich bewußt werden, es handelt sich um unsere zukünftigen Denker, Forscher, Politiker oder Wirtschafteliten, ganz abgesehen davon, dass dies die zukünftig einkommensstärkste Schicht ist, nicht irgendwelche Nerds oder stark internetaffine Leute, die um die Möglichkeiten und die Gefahren wissen.
    Durch Netzwerkeffekte und Gruppenzwänge entsehen Abhängigkeiten von Wenigen, die die Kontrolle über solche Plattformen haben und leider halt auch finanzielle Interessen vor moralischen.
    Die bisherigen Abhängigkeiten von solchen Plattformen zeigen Aussagen wie: “Ich würd mich ja gerne abmelden, aber dann verliere die Kontakte meiner Kollegen aus alten Zeiten”, “Ich verpasse die Partybilder der letzten Woche”, “Ich verpasse den Termin der nächsten Party” oder werd erst gar nicht eingeladen. Diese Anhängigkeit vergrößert sich je akzeptierter die Plattform zur Kommunikation in der Gesellschaft ist. Ich bin kein Soziologe, aber vieleicht könnte man es mit sozialer Abhängigkeit beschreiben. Abhängigkeiten durch andere Faktoren werden in der Zukunft mit Sicherheit folgen.
    Nicht gut wenn die heutige Studentengeneration sich teilweise bewußt abhängig macht, blindes Vertrauen zeigt und schenkt, Kritikfähigkeit vermissen lässt und zum Nachdenken kaum mehr fähig ist. Wo sind die doch so wichtigen “sozialen Kompetenzen”?Mit diesem blinden Vertrauen, fehlender Kritikfähigkeit, der Scheißegalpartyspaß-Einstellung, nahezu unbegrenztem Exibithionismus und öffentlicher Selbstdarstellung die eine große Zahl Studenten im StudiVz and den Tag legt wirft dies nach außen kein gutes Bild auf die heutigen Studierenden.Blamiert sich die zukünftige Elite in der Öffentlichkeit? Für viele Außenstehende sicher!

    Ein Satz über Studenten und StudiVZ den ich vor kurzem hier gelesen habe:

    “Es sind nicht nur die Unternehmer des StudiVZ für die es gilt: Die deutschen Nachwuchseliten blamieren sich – und dies bleibt weiterhin das einzige, was mit absoluter Sicherheit stattfindet.”

    Weiteres:

    http://www.readers-edition.de/2006/11/29/striptease-im-studivz-kommentar/

    http://blogs.lueke.info/unverkaeuflich/2006/11/26/die-sorgenfreien/

    http://cloudkicker.net/2006/11/30/studivz-armutszeugnis-fur-studierende/

2 Kommentare to “Blamiert sich die künftige Nachwuchselite?”

  1. atari :

    Sehr gelungener Artikel, leider wird die eigentlich angesprochene Spassgesellschaft kaum einen solch langen Text lesen, noch sich wirklich differenziert mit dem Thema auseinandersetzen…

    Mich kotzt es ehrlich gesagt an Mich stört es ein wenig, dass ich nicht mehr nach e-mail-addy/messenger-id/telefonnummer gefragt werde, sondern nurnoch:

    Bist Du auch bei StudiVZ? O

  2. dd :

    Du hast Recht atari, wie schon Dariani gesagt hat, StudiVZ wird neben Handy, Email DAS neue Kommunikations-Tool für Studenten, und wenn er nich viel sinnvolles in der Öffentlichkeit gesagt hat, damit hat er leider Recht gehabt, zumindest zur Zeit noch.

    Aber wie ich schon geschrieben habe, die Scheissegaleinstellung der meisten Studenten ist einfach traurig, aber sie ist auf der einen Seite verständlich, weil sie einfach die Tragweite des StudiVZ im Hinblick auf die (ihre) Zukunft nicht verstehen und sich deshalb keine Gedanken darüber machen. Traurig und ein Armutszeugnis der Nachwuchselite. In manchen Dingen will ich mich da auch nicht ausnehmen, ich bin ja auch noch Student. Viele sind eben auch so aufgewachsen, sich keine Sorgen machen zu müssen.

    Jeder hat bei uns die Freiheit frei zu entscheiden, das Problem ist aber auch, das ist vielen mittlerweile zu anstrengend, frei zu entscheiden, da man sich dann auch mit negativen Aspekten auseinander setzten müßte. Was macht man? Folge der Masse, dass wird schon richtig sein, machen ja alle, ohne nachzudenken, weils noch bequemer is und im schlimmsten Fall werden andere ( andere Meinungen, Kritiker) ausgegrenzt. Hier ein Kommentar aus Don Alphonsos Blog, der ganz gut die Haltung der Studenten zum StudiVZ zeigt und eben auch zum Internet, ich kann das aus Diskussionen an meiner FH verifizieren:
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/622137/#622533
    (der Kommentar “Die andere Sichtweise”)

    Ich mag an die Zukunft gar nich denken, aber man muss! Und die digitale Welt wird, ob man will oder nicht, ob man drüber nachdenkt oder nicht, uns immer stärker beeinflussen und auf unseren Alltag, unsere Kommunikation, unserer sozialen Reputation Einfluss nehmen.

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