4. Product Placement Kongress 2006 in Nürtingen - Branded Entertainment
Am 8. November 2006 fand in der Stadthalle Nürtingen der 4. Product-Placement-Kongress statt. Veranstalter dieses Kongresses ist die Firma Waldner.tv sowie die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Ziel sollte es sein sich über neue Product-Placement Trends und Branded Entertainment zu informieren bzw. auszutauschen.
Zur Einführung ins Thema erläuterte Prof. Dr. Herbert A. Henzler, ehem. Chairman Mc Kinsey Deutschland und nun bei Credit Swuisse, die neusten Entwicklungen für Unternehmen im Marketing, der Werbung und im Product Placement bzw. Branded Entertainment.
Prof Dr. Henzler führte folgendes aus: Wegen der schwindenden Aufmerksamkeit der Zielgruppen für herkömmliche Werbung, bieten neue Medien neue Chancen Menschen zu erreichen. Allerdings bieten diese auch Nachteile, die nicht ausser Acht gelassen werden dürfen. So haben neue Medien auch eine neue Geschwindigkeit, welche auch negative Nachrichten in einer sehr kurzen Zeit sehr weit verbreiten. Ein Unternehmen muss eine klare und einheitliche Botschaft finden und wissen wie und wo sie diese kommuniziert um damit alle Stakeholder zu erreichen.
Ein Unternehmen müsse sich genau im Klaren sein wo und wie man werbe. Der Trend sei klar, die Einbeziehung des einzelnen Kunden werde immer wichtiger, meinte der ehemalige Kinsey Berater. Auch Product Placement biete dabei eine Möglichkeit dem potenziellen Kunden die Botschaft zu übermitteln.
Als nächster Referent berichtete Tom Zickler, als Produzent und Geschäftsführer von Barefoot Films (Knockin on Heavens Door, Barfuss uvm), über die Relevanz von Product Placement für die Filmindustrie. Er erläuterte seine Erfahrungen und machte klar, das zu offensichtliches Product Placement vom Zuschauer als störend empfunden wird und eher negative Auswirkungen auf den Erfolg eines Filmes haben könnte. Er hat dies selbst anhand von Testvorführungen bereits mehrfach erlebt. Vieles erläuterte er auch an seinem neuen Film “One Way”. Weiter machte er jedoch klar, dass die finanzielle Relevanz von PP für die Filmindustrie momentan sehr gering seinen und oft weniger als 1% am Gesamt Budgets ausmachen würden. Er vertritt die Meinung, dass der Zuschauer letzen Endes entscheidet wieviel PP er aktzepiert, worauf auch die Filmemacher eingehen werden.
Vor der Mittagspause stellte noch Frau Prof. Dr. Iris Ramme (Dozentin für Marketing und Marktforschung an der HFWU) den Product-Placement-Monitor 2006 vor. Eine von ihr initierte und jährlich erscheinende Forschungsarbeit in Zusammenarbeit mit Studenten. In diesem Bericht wird versucht die aktuelle Situation in Deutschland, anhand von Fakten und Umfragen, darzustellen. Allerdings, so räumte sie ein, seinen die Zahlen nicht unbedingt repräsenativ, da nur sehr wenige Firmen die Umfrage bearbeitet hätten und kaum auskunft über ihre PP-Aktivitäten geben würden.
Aus meiner Sicht waren viele Zahlen in dem Vortrag wenig fundiert und teilweise zu sehr geschätzt und war meiner Meinung nach nicht sehr aussagekräftig.
Nach dem Mittagessen erzählte Johannes Schultz, eheml. BMW Group, über seine Erfahrungen mit PP bei BMW. Er baute bei BMW eigens eine PP-Abteilung auf. Anhand einiger Filmausschnitte und BMW eigener Filmprojekt erläuterte er wie PP aussehen kann. Er vertritt die Meinung, dass PP ehrlich sein muss, das bedeutet: Ein Produkt könne nicht immer nur im positiven Kontext in einen Film eingebunden werden. Dies würde eben nicht der Realität entsprechen. Eine zu unrealistische Darstellungen eines Produktes könne beim Zuschauer auch das Gegenteil hervorrufen, so dürfe ein BMW auch schonmal in die Luft fliegen. Weiter führte er auf, dass Firmen die PP betreiben, auch nicht in die Dramaturgie eines Filmes eingreifen sollten, dies sei die Aufgabe des Regiseurs und da soll sie auch bleiben.
Im Anschluss sollte Franz Hellbach, Leiter Marketing von Interstuhl, referieren. Leider musste er sich entschuldigen, worauf Andreas Waldner, als beteiligter Berater bei interstuhl, den Vortrag übernahm. Es wurde erklärt wie auch ein kleiner mittelständischer Betrieb mit neuen Ideen im Marketing erfolgreich sein kann und mit PP in Filmen und Talksendungen auf sich aufmerksam machen kann. Das Ziel, sich damit auch in einem höheren Marken- und damit Preissegment anzusiedeln, könne auf diese Art auch für kleinere Unternehmen umgesetzt werden, meinte Herr Waldner. Da man hier nicht soviel Geld für direktes PP zur Verfügung hatte wurden z.B. Talksendungen wie der Presseclub mit kostenlosen Stühlen für das Studio-Interieur gesponsort.
Als letzter Referent stellte Christian Morawietz, Leiter Marketing von Betty TV, die Zukunft des interaktiven Fernsehens dar. Betty TV ist eine interaktive Fernbedienung mit einem kleinen Display. Die Fernbedienung ist kabellos mit dem Fernseher und einer Schnittstelle am Telfonanschluss verbunden. Damit wird es möglich, dem Zuschauer während des fernsehens zusätzlich und zeitnah Informationen zu Sendungen bereitzustellen auf die er per Knopfdruck antworten kann, z.B. Gewinnspiele bei dennen der Zuschauer sofort teilnehmen kann. Näheres gibt es auf www.betty-tv.de . In der Schweiz ist die Technik bereits käuflich zu erwerben. Deutschland soll Anfang 2007 folgen. Ob Betty-TV ein Erfolg wird, dürfte die Zukunft zeigen.
In einem späteren Blog-Artikel werde ich mich damit mal beschäftigen.
Zum Abschluss wurde der Film “One Way” im Rahmen eines “Special Screenings” gezeigt.
Im Fazit, kann man sagen, dass ein paar gute Vorträge dabei waren. Welchen Mehrwert diese Veranstaltung letzten Endes dem Teilnehmer bieten sollte wurde mir nicht ganz klar. Immerhin mussten die regulären Teilnehmer knapp 300 Euro pro Person berappen. Zumal die Mehrheit der Zuschauer bzw. Teilnehmer, aus meiner Sicht, Studenten waren und die wirklich wichtigen Personen nach Ihrem Vortrag oder kurze Zeit später aufgrund von Terminen die Veranstaltung leider verlassen mussten.


November 19th, 2006 at 01:32
[...] Auf dem neulich beschriebenen Product-Placement-Kongress in Nürtingen gab es unter anderem einen Vortrag von Christian Morawietz (Marketingchef Betty TV) über eine neue Fernbedienung namens Betty. Betty TV soll das Fernsehen revolutionieren und endlich die angebliche lang ersehnte Interaktivität in die Wohnzimmer der Zuschauer bringen. Grund genug sich dieses Gerät mal näher anzusehen. [...]
November 13th, 2007 at 00:06
[...] diesem Gerät keine all zu rosige Zukunft blühte, hatte ich schon vor ziemlich genau einem Jahr auf dem Product Placement Kongress in Nürtingen geahnt. Damals voller Euphorie vom Betty TV Marketing Chef vorgestellt, versuchte ich verzweifelt einen [...]